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... draußen bleiben!

Wir kennen das Problem: Der Trainer als Kristallisationskern und Zielscheibe aller Probleme der Trainierten: »Meine Leute wollen das!«, oder »Bei mir dürfen die Leute sogar auch Fragen stellen!« ...

So kommt denn eines schönen Wochentags ein völlig aufgelöster Karateka zu mir, um sich zu beklagen. Schon seit Monaten, wenn nicht Jahren, bemühe er sich um einen Fortschritt im Karate – nicht allein in körperlicher Hinsicht, sondern auch in der tieferen Einsicht in das Wesen der Kampfkunst.

Au weh! Wer mag ihm wohl diesen Floh ins Ohr gesetzt haben? Will der mich verarschen? Zunächst mal ist es ja nun nicht meine Aufgabe, ihn in Mysterien einer Sache einzuweihen, die ich selber nur vom Hörensagen kenne. Zum anderen kann der Kerl ja noch nicht mal einen richtigen Gyaku-zuki, von einem Mawashi-geri ganz zu schweigen. Soll er doch erst mal ordentlich trainieren, statt permanent sein Hirn zu überfordern (und vor allem meines!)

Und die Antwort? (eckige Klammern sind Regieanweisungen):

  • [schmollend] »Ich interessiere mich selber zwar auch dafür, aber gezeigt hat mir das keiner.« oder:
  • [trotzig] »Soll er sich also selber drum kümmern, man kann ja nicht jeden mit Weisheit füttern.«, gar:
  • [räsonierend] »Wenn er nur lange sucht, dann findet er schon was.« und dann:
  • [erleichtert] »Wenn nicht, nun ja, dann hat's eben nicht sein sollen.«
  • [erbost] »Bin doch nicht sein Psychotherapeut!«

Also speise ich den penetranten Fragesteller ab und beschließe, dass ich alles, was mir außerhalb des technischen Trainings einfällt (oder auf Lehrgängen zufällt), erstmal für mich zu behalten. – Das Beste wäre wahrscheinlich, für ein paar Jahre im Wald zu verschwinden, damit einem keiner beim Üben zuschauen kann. Da dies in unserer vernetzten Welt nicht funktioniert, bleibt mir nur die Möglichkeit, mir Einsichten anzueignen, von denen zwar ich profitiere, aber weil ich's nicht weitererzähle, auch kein anderer. Hähä!

Ja, diese Welt ist grausam und gemein, und wer keinen Informations-Zugang hat, der steht eben im Regen...
Und überhaupt, was soll das Gefasel von Rücksicht und Mitgefühl? Mache ich nun Kampfsport oder was?! Und wenn er nicht rechtzeitig lernt, dass das Leben eben kein Zuckerschlecken ist, und man sich nach den besten Früchten auch schon mal strecken muss, dann habe ich ihm doch echt was 'rübergebracht fürs Leben. Schließlich leben wir in einer Leistungsgesellschaft und dafür machen wir uns auch fit. So funktioniert halt der moderne Sozial-Darwinismus: Die Informierten kommen durch!

Und die anderen? Die müssen eben draußen bleiben!

tb