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Zen-Za-Zionen
Tja, also. Zen. Wir lernen meditieren. Life, universe and everything. Womöglich schweben wir anschließend nach Hause, mal sehen. Immerhin mal was anderes als das ewige Gekloppe.

Also, Samstag 10.00 Uhr. Nix wie hin, so knapp wie immer durch den Samstagmorgenverkehr, gerade auf den letzten Drücker, auf Anhieb hingefunden und mit viel Glück sofort nen Parkplatz gefunden. Gleich mal ordentlich anstressen, wär ja langweilig sonst.

Es empfängt mich ein Typ in schwarz, komplett mit Hakama und so. Thomas Kabierschke, bekannt aus dem USC-Karatetraining. Kaum wiederzuerkennen.

Die übrigen (12?) Teilnehmer sind natürlich schon da, wie ich in zivil, mit verbeultem Trainingsanzug oder sonstigen bequemen Klamotten. Wie sich später herausstellt, sind hier Kampfsportler in der Minderzahl, ich glaube, ganze vier an der Zahl.

Thomas erzählt erst mal einiges über sich selber, seinen Werdegang: Polizist in Bremen, Psychologiestudium, später Tätigkeit bei Siemens. Karate und Kyû-Do praktiziert er schon recht lange, seit 15 Jahren ist er Schüler des Rinzai-Zen Meisters „Rei Shin Sensei“. Von diesem hat er inzwischen die Erlaubnis bzw. den Auftrag erhalten, sein Wissen weiterzugeben.

Wir lernen etwas über Buddhismus, vom Ursprung des Zen, seine Verbreitung von Indien über China (Bodidharma & die Shaolin-Buben, wer sonst) nach Japan. Der Zen-Buddhismus ist die geistige Grundlage aller japanischen Kampfkünste. Die Meditation soll den Übenden zu seiner Mitte, seinem Selbst führen, losgelöst von allem, was er nach außen repräsentiert, vielleicht für sich und andere „darstellt“. Geistige Reifung, Ruhe, Entspanntheit fällt quasi als „Nebenprodukt“ ab.

Der Ablauf

Wir werden mit einigen elementaren Regeln vertraut gemacht, wie man die Übungshalle, die Zendo, betritt, wie man sich zu bewegen hat, wann man aufzustehen hat und wann nicht, etc. Meditiert wird in verschiedenen Sitzhaltungen: Ganzer Lotus (aua), halber Lotus (auch aua, aber erst nach ein paar Minuten), Viertel-Lotos, Fersensitz. Alles mit einem speziellen Kissen unterm Allerwertesten. Alles ist wichtig, hat seine Bedeutung. Die Wichtigkeit der Sitzhaltung wird einem nach ganz kurzer Zeit (keine Erleuchtung nötig) klar, denn nach dem Startsignal (Glocke) ist Stillsitzen und damit Nix-mehr-Bewegen angesagt. Wer sich hier fahrlässig auf irgendeinen Lotus eingelassen hat, hat laaaange Zeit, das zu bereuen. Egal. Gehört dazu.

Wir absolvieren mehrere Meditationsperioden, jede etwa 20–25 Minuten, begleitet von Instruktionen des Lehrers und einem Räucherstäbchen. Ich frage mich, wie er wohl die verstrichene Zeit abschätzt: Brennschluß des Räucherstäbchens, rein nach Gefühl, oder einfach mit Hilfe der mitgebrachten japanischen Uhr...?

Aufrecht sitzen, Becken höher als die Knie, Rücken gerade, Blick etwa 2 m vor sich auf den Boden, Augen offen oder zumindest nicht ganz geschlossen (sonst pennt man zu leicht weg…).

Wir sind angehalten, nicht vor uns hin zu träumen, oder im Geiste schon auf dem Heimweg zu sein, sondern unseren Geist so frei wie möglich von allem zu machen. Hierbei kann beispielsweise das Zählen der eigenen Atemzüge helfen, (ab 10 von vorne anfangen), oder das Rezitieren bestimmter Mantras, die zudem der Stimulation wichtiger Chakras (Energiezentren) dienen.

Immer schön bauchatmen, Atemzüge zählen, nicht wegpennen, gerade sitzen… Zwischendurch bewegt sich die ganze Truppe auch mal im Gänsemarsch um die Sitzplätze, das heißt dann Kinhin, das lockert die steifen oder eingeschlafenen Beine, außerdem darf hier die Zendo verlassen werden, beispielsweise um irgendwelchen Bedürfnissen nachzukommen, etc.

In den Pausen bekommen wir grünen Tee, unterhalten uns angenehm relaxed draußen in der warmen Frühlingssonne oder recken einfach nur unsere Glieder.

Nach ca. 4 Stunden ist‘s dann vorbei und ich denke, jeder der Teilnehmer, die aus recht unterschiedlichen Gründen und mit meist wenig Vorwissen den Lehrgang besucht haben, konnte einiges mitnehmen.

Und: die meisten Teilnehmer, mich selbst eingeschlossen, werden wiederkommen. Für die Zukunft ist geplant, das Ganze regelmäßig entweder unter der Woche oder Samstags als „Zen-Kreis München“ zu etablieren.

(tp)