5:30: Der Wecker reist mich grob aus meinen sanften Träumen. Auf gehts in einen neuen Arbeitstag.......! ? ! ? ?????????..........Kann nicht sein...!!!! Ich liege NICHT in meinem Bett in einem Schlafsack!!!! ?????? Ach ja, irgendein Schwachkopf hat mich überzeugt am Samstag Morgen nach Weiden zu einem Karatelehrgang mit Helmut Götz zu fahren. Langsam dämmert es mir, dass ich der Schwachkopf ja selber war, der die anderen überzeugt hat....
Auf Grund des Gebrummels und der Blicke der anderen, die sich aus Ihren Schlafsäcken und Bettdecken schälen, beschließe ich erstmal, daß es für meine Gesundheit, Laune und der Beziehung zu den anderen wesentlich förderlicher ist, mich jedweden Kommentars zu enthalten und auf Automatik zu schalten: Aufstehen, Bad, Zähne putzen, Wasser aufsetzen für Kaffee, Kaffee in Thermoskanne, Taschen schultern, ins Auto und ab auf die Autobahn. Die Konversation in diesem Zeitraum war auf das Nötigste beschränkt: Mrgn, Haben wir alles?,Jep, Gehen wir?, ok, Muss noch Tanken., hmhm
Keine Angst, nach dem Frühstück, bestehend aus ein paar geschmierten Semmeln und ein paar Tassen Kaffee aus der Thermoskanne während der Autofahrt, haben wir uns wieder wie kultivierte Menschen in ganzen Sätzen unterhalten. Der Wegbeschreibung auf der Ausschreibung folgend, haben wir das Städchen Weiden ein paarmal durchquert und so die Gelegenheit gehabt, etwas mehr als nur die Halle kennenzulernen. Trotzdem waren wir die ersten an der Trainingshalle, wodurch es zu den obligatorisch-subtilen Fragen wie Der Lehrgang findet wirklich heute statt? oder Sag mal, Training fängt wirklich um 9.00 Uhr an? kam. Ich liebe es, wenn die Leute einem vertrauen
Gehts jetzt endlich los?? Ohne (weiteren) Frage(n), der Lehrgang fing pünktlich mit dem Unterstufentraining um neun an. Der Einladung Helmuts an die Oberstufe, auch am Unterstufen-Training teilzunehmen sind leider nur sehr wenige Leute gefolgt. (Ihr habt was verpasst!!). Nach unüblichen, aber guten Aufwärmübungen und ein paar Grundschulbahnen, die bereits die Unterschiede zwischen dem älteren Okinawa Shorin-ryu Karate (Matsubayashi-ryu) und dem modernen Shotokan-Karate hervorhoben, ging es sofort an den Ablauf der Pinan Nidan, aus der die heutige Heian Shodan hervorging. Interessant war, die Heian Shodan und dann im Anschluß daran sofort die Pinan Nidan zu laufen, da das Bewegungsverhalten und die Kraftentfaltung dieser beiden sehr ähnlichen Kata doch sehr unterschiedlich sind.
Nach ein paar einführenden Bunkaiübungen war die erste Einheit leider viel zu früh zu Ende. Die zweite Einheit lief sehr ähnlich ab, auch sie war sehr interessant, aber zu schnell vorbei und sie hatte nur den kleinen aber entscheidenden Unterschied, daß das Hauptthema Bassai-Dai bzw. Oyadomari-Patsai hieß.
Mittagspause im Schnee
Nach einer Stunde Mittag Picknicken im Sonnenschein auf einem schneeverschneitem Sportplatz bei etwa 5 Grad (hat schon was, andere Leute stehen bei so einem Wetter in einer langen Schlange am Skilift) ging es in die Nachmittagseinheiten. Zu Anfang erzählte Helmut Götz ein wenig über die Geschichte und die Vererbung der Heian Shodan bzw. Pinan Nidan. Dann stiegen wir wieder voll in die Praxis ein. Nach Wiederholung des Ablaufes wurde nur noch Bunkai geübt.
Wer sich jetzt fragt, ob man zwei volle Stunden mit Bunkai aus der Heian Shodan verbringen kann, dem kann ich nur sagen: Man kann!. Und das nicht nur für die Unterstufe, auch die leider wieder zu wenig anwesende Oberstufe hatte an den sehr anspruchsvollen Partnerübungen zu arbeiten. Zum Abschluß der Trainingseinheit ließ Helmut nocheinmal die Kata laufen, allerdings mit Schwerpunkt auf der Heian Shodan.
Eventuell aufkommende Langeweile wurde durch Sonderformen des Katalaufen bekämpft (ura: spiegelbildlich, go-no-kata: negativ Form). Nach einer kurzen Pause ging es wie gehabt mit der Geschichte der Bassai-Dai und Oyadomari-Patsai weiter.
Der Praxisteil begann mit der Wiederholung des Ablaufes, dem bis zum Ende der Stunde Bunkaiübungen folgten, auch hier waren wieder alle Schwierigkeitstufen von einfach bis anspruchsvoll vertreten. Das abschließende Katalaufen rundete die Trainigseinheit sehr gut ab. Insgesamt war der Lehrgang für mich ein voller Erfolg.
Die Atmosphäre war sehr entspannt, das heißt aber nicht, daß nicht konzentriert gearbeitet wurde (im Gegenteil !). Helmut schafft es, durch seine ruhige Art und sein Können den Leuten sein großes Wissen sehr gut zu vermitteln. Wer sich für Karate über das DKV-Wettkampfkarate hinaus interessiert, dem seien die Lehrgänge mit Helmut Götz wärmstens empfohlen.
(pd)
